Fürstin Pauline zur Lippe

Pauline Christine Wilhelmine
Prinzessin von Anhalt-Bernburg
Fürstin zur Lippe

1769

am 23. Februar kommt Pauline auf Schloss Ballenstedt als zweites Kind des regierenden Fürsten Friedrich Albrecht von Anhalt-Bernburg und der Fürstin Louise Albertine, geborene Prinzessin von Holstein-Sonderburg, zur Welt.

Der Vater kümmert sich intensiv um Ihre Erziehung, Pauline wird gemeinsam mit Ihrem Bruder Alexius Friedrich Christian nach einem vom Vater aufgestellten Lehrplan unterrichtet.

Ihre wissenschaftlichen Begabungen werden gezielt gefördert. Sie erlernt Sprachen: u.a. Französisch, Latein, Italienisch; erhält staatstheoretische Kenntnisse und wird im Reiten und Schießen unterrichtet.

1782 Pauline übernimmt im Alter von 13 Jahren die französische Korrespondenz ihres Vaters.
1784

Seit ihrem 15. Lebensjahr beschäftigt sich die Prinzessin selbstständig mit Geschichte, Philosophie, Geographie und Rechtswissenschaft. Ihre besondere Vorliebe gilt der Literatur der Aufklärung.

Die kleine Hofbibliothek genügt ihr bald nicht mehr, so dass sie von ihrem „Ersparten“ einen auserlesenen repräsentativen Bestand zusammenträgt. Sie tätigt auch Aufkäufe aus Privatsammlungen großer Dichter und Denker der Aufklärung wie Ch. M. Wieland.

Die Büchersammlung bezeichnet sie als ihre „Livree“.

Bücher wurden nach dem Inhalt ausgewählt, weniger nach bibliophilen Gesichtspunkten. Dennoch befinden sich kostbare Ausgaben im Bestand. Bekanntschaft mit dem Dichter Johann Ludwig Gleim ( 1719 – 1803 ) aus Halberstadt, der auf ihre Bildung großen Einfluss nimmt, ihr die Welt durch Zueignung von Ausgaben der schönen Literatur, philosophischer Bücher und seiner eigenen Werke erschließt und sie zu schriftstellerischer Tätigkeit animiert.

1788/89

Von Pauline verfasst erscheinen im „Jahrbuch für die Menschheit“ zwei Aufsätze über die nachteiligen Wirkungen des Tanzes auf das weibliche Geschlecht und über die Vorzüge einer lebenspraktischen gegenüber einer künstlerischen Ausbildung für junge Frauen.

Unter dem Einfluss Gleims erscheint eine Abhandlung über die „Frauenzimmer-Moral“, die sie später selbst vernichtet haben soll. Es entstehen zahlreiche Gedichte und weitere Aufsätze zu ethisch- moralischen Themen, auch in der Zeit ihrer Regentschaft.

1793 Pauline übernimmt die Führung der auswärtigen Geschäfte des Fürstentums und die Position eines Geheimsekretärs ihres inzwischen erkrankten Vaters.
1794 Nach Auseinandersetzungen mit Ihrem Vater gibt Pauline den Geheimsekretärdienst auf.
1795

16. Dezember: Verlobung Prinzessin Paulines von Anhalt-Bernburg mit Fürst Leopold zur Lippe

23. Dezember: Ehevertrag zwischen Leopold, Pauline und ihrem Vater

1796 2. Januar: Heirat von Pauline und Leopold in Ballenstedt

21. Januar: Einzug des Paares in Detmold

6. November: Paulines erster Sohn Leopold wird geboren

1797 6. Dezember: Paulines zweiter Sohn Friedrich wird geboren
1799

Durch Paulines Mitinitiative wird eine Industrie- oder Erwerbsschule für Kinder verarmter Eltern und ein Lehrerseminar gegründet. 17. Juli: Pauline übernimmt persönlich die Leitung des Armenwesens in Lippe und beginnt mit der Umgestaltung

-Beschäftigung der Armen im freiwilligen Arbeitshaus

-Bau eines Armen- und Krankenhauses, Pflegeanstalt

-Errichtung eines Strafwerkhauses

Ziel der Bemühungen ist, den Arbeitsfähigen Hilfe zur Selbsthilfe bereitzustellen und den kranken Armen würdige Lebensumstände zu ermöglichen.

1802

30. April: Kaiser Franz II. bestätigt Pauline als Vormünderin.

30. Mai: Fürstin Pauline übernimmt offiziell nach dem Tod Leopold I. die Regentschaft. Wegen der andauernden Hungerkrise in Lippe leitet sie Sofortmaßnahmen ein, es entstehen Kornversorgungsanstalten, Suppenanstalten.

30. Mai: Fürstin Pauline gründet die „Aufbewahrungs-Anstalt kleiner Kinder“ als Erweiterung der Pflegeanstalt in Detmold. Dort werden Kleinkinder bedürftiger Mütter während der Zeit ihrer Feldarbeit gewartet und verpflegt.

1802/03 Planung einer Irren- und Pflegeanstalt durch Fürstin Pauline.
1805 Fürstin Pauline favorisiert die Einführung der Methoden des Pädagogen Heinrich Pestalozzi an Detmolder Schulen
1807 Fürstin Pauline reist nach Paris und trifft Napoleon in Fontainblaeu. Sie erreicht den Unabhängigkeitsstatus für das dem Rheinbund beigetretene Fürstentum Lippe
1807 Wird die Verordnung über die Aufhebung der Leibeigenschaft in Lippe erlassen
1813 Fürstin Pauline erklärt den offiziellen Austritt aus dem Rheinbund und sichert dem Land Lippe die Selbstständigkeit gegenüber Preußen
1818 4. Januar: Wahl Paulines zur Bürgermeisterin von Lemgo
1820

3. Juli: Fürstin Pauline legt die Regentschaft nieder und erklärt Ihren Sohn Leopold II. für volljährig.

29. Dezember: Fürstin Pauline stirbt in Detmold