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Die Sammlung des Fürstenhauses Anhalt-Bernburg

Die Fürstin-Pauline-Bibliothek ist eine öffentliche Bibliothek mit angeschlossenem wissenschaftlichen Altbestand und herzoglicher Bibliothek. Mit ihrer über 100 Jahre währenden Geschichte, zählt sie zu den ältesten Kultureinrichtungen der Stadt, deren Grundstock bereits mit der im Frühbarock begonnenen Sammlung des Fürstenhauses Anhalt-Bernburg zu suchen ist.
Mit dem Wechsel der Residenz 1765 von Bernburg nach Ballenstedt unter Herzog Friedrich Albrecht (1735-1796) kamen Teile der Kanzleibibliothek und der kleinen Handbibliothek des Fürstenhauses nach Ballenstedt.
Die am 23.2.1769 in Ballenstedt geborene Prinzessin Pauline Wilhelmine Christine, Fürstin zur Lippe-Detmold (1769-1820), nach Heinrich von Treischkes Urteil eine der geistreichsten Frauen ihrer Zeit, bewies 1802-1820 nicht nur als Regentin politische Begabung, sie stand auch mit Literaten in ständigem Briefwechsel, u.a. mit Johann Ludwig Gleim (1719-1803) in Halberstadt.
Die anfangs kleine Hofbibliothek genügte der Leselust und Wissbegierde der Prinzessin keineswegs, so dass sie von ihrem „Ersparten“ einen auserlesenen und repräsentativen Bestand zusammentrug, der sich auch in der Präsentation sehen lassen konnte. Alle Bücher wurden auf ihre Veranlassung in braunes Leder gebunden, mit rotem Schnitt und Goldprägung versehen; die Buchdeckel zierten ihre Initialen, ebenfalls in Goldprägung. Diese Tradition wurde von ihrem Bruder Alexius Friedrich Christian aufgegriffen und fortgeführt.
Die intensive literarische Beschäftigung der Prinzessin mit Geschichte und vorrangig fortschrittlichen Werken der Pädagogik ist unübersehbar und fand ihren Niederschlag in der Sammlung herausragender Schriften, vorzugsweise Werken bedeutender Vertreter der Aufklärung. So ist es Ihr zu verdanken, dass bedeutende zeitgenössische Neuerscheinungen in die anfangs kleine Hofbibliothek aufgenommen wurden, wie auch Wielands erste Gesamtausgabe (sog. Fürstenausgabe; Leizig: Göschen 1794-1802).
Die wissenschaftliche Abteilung der Ballenstedter Bibliothek verfügt über mehr als 10.000 Bände aus der herzoglichen Sammlung, deren Grundstock durch Prinzessin Pauline gelegt wurde. Hier und ihrem sozialen Engagement als Regentin in Detmold, vor allem auf den Gebieten der Volksbildung und Erziehung, finden die humanistischen Ideale der Aufklärung ihren Niederschlag. Die Auswahl der Lektüre dürfte dabei nicht ohne Einfluss gewesen sein.
Mit der Übernahme von ca. 10.000 Bänden aus dieser Sammlung 1903 durch die Stadt Ballenstedt, gem. des Vermächtnisses der letztregierenden Herzogin Friedrike zu Anhalt-Bernbug (1811-1902) und deren Unterbringung im 1906 fertiggestellten Rathaus, war der Grundstein für die öffentliche Bibliothek Ballenstedts gelegt. Sie war nach den Maßstäben der Zeit von Anfang an öffentlich zugänglich.
Den Nutzern stehen Werke aus 54 Sachgebieten zur Verfügung. Schwerpunkte der Sammlung sind Geschichte und Anhaltina, Literaturkunde sowie die schöne Literatur, wobei die Sammlung von Erstausgaben deutscher und fremdsprachiger Dichter als umfassend bezeichnet werden kann. Beachtenswert sind die Titel der Geographie und Geologie. Hier finden sich alle wichtigen Reisewerke des ausgehenden 18. und des 19. Jh. Die Naturwissenschaft berührt alle Gebiete dieses Genres und weist die wichtigsten Titel vorrangig des 18. Jh. nach. Eine Fundgrube ist die Zeitungs- und Zeitschriftensammlung sowie der Bestand an theologischen und exegetischen Schriften, prachtvollen Bibelausgaben und pädagogischer sowie Jugendliteratur. Hier sind auch zahlreiche Erstausgaben zu verzeichnen.
Seit 1999 beherbergt die Bibliothek das Notenarchiv des Komponisten Carl Christian Agthe (1762-1797), der auch gern als „Mozart des Harzraumes“ gerühmt wird. Die Kompositionen wurden bearbeitet und liegen als Partituren und Stimmen zur Entleihung vor.